Mittwoch, 9. September 2015

30 Tage: Lachen (7/30)

Puh, die Zeit vergeht wie im Flug. Wie immer - aber beim Blogschreiben fällt es mir besonders auf.
Ich liege fünf Tage zurück. Fünf ereignisreiche Tage, während denen ich das Projekt nicht vergessen habe! :) Aber es gibt andere Gedanken, die mir gerade wichtiger sind:

Jeder in Deutschland bekommt zur Zeit mit, dass Flüchtlinge nach Europa unterwegs sind. Über die sozialen Medien lese ich von jeder Menge guten und kreativen Einsätzen im Land, wo sich Menschen für die Ankommenden engagieren. Ich finde es beachtlich, was da passiert. Unser in letzter Zeit etwas lethargisches Land hat wieder etwas, wofür es sich einzustehen lohnt: Menschlichkeit heißt das Stichwort. Lasst uns zeigen, dass wir offen und tolerant sind! Eine "Willkommenskultur" wird gelebt, ankommenden Flüchtlingen wird applaudiert, in Flüchtlingsunterkünften Volksfeste gefeiert. Freiwillige geben so viele Spenden ab, dass die Annahmestellen überlastet sind; es melden sich - zumindest hier in Berlin - so viele freiwillige Helfer, dass die Organisatoren auf ihren Webseiten schreiben müssen: Tut uns Leid, wir brauchen im Moment keine weiteren Helfer! Das ist toll.
Ich freue mich, und hoffe von Herzen, dass diese Welle der Hilfsbereitschaft nicht verpufft oder umschlägt, wenn ein wenig Zeit ins Land geht.

Wir selbst haben bis jetzt nur kleine Aktionen unternehmen können - vor allem deshalb, weil wir nicht einfach irgendetwas tun möchten, sondern schauen, wo unsere Hilfe wirklich gefragt ist. Wie gesagt, zur Zeit ist hier, wo wir wohnen, die Hilfsbereitschaft so groß, dass die Organisatoren von Freiwilligen fast überrannt werden. Wir überlegen deshalb intensiv, wie wir etwas für die Zeit nach der großen Hilfbereitschaft vorbereiten können.
Aber wir wollten uns trotzdem selbst ein echtes Bild von der Situation hier vor Ort verschaffen. Deshalb haben wir eines Morgens Cookies gebacken und sind am Nachmittag losgezogen, um sie an Flüchtlinge zu verteilen. Am Ende trafen wir keinen einzigen Flüchtling. Dafür schenkten wir die Cookies den Kräften von Feuerwehr und Katastrophendienst, die ein Zeltlager für die in den nächsten Tagen erwarteten Menschen aufbauten. Die Aktion lief also nicht wie geplant, aber so ist das eben im Leben :). Aber mich hat die ganze Sache an etwas erinnert, was ich erlebt habe, als ich neun Jahre alt war.

Damals, 1989, sind meine Eltern mit uns Kindern nach Berlin gefahren. Die Mauer war geöffnet worden, und unzählige DDR-Bürger strömten nach Westberlin, wo es ein Begrüßungsgeld gab. Das Geld interessierte mich nicht allzu sehr, aber die Reise war spannend.
Allerdings erinnere ich mich vor allem an eines: Dass wir in einem (gefühlt) riesigen Pulk von Menschen standen (keine Ahnung, ob es tatsächlich so viele waren, oder ob ich es aufgrund meiner Körpergröße einfach so überwältigend fand). Wir standen Schlange und wartete darauf, an die Reihe zu kommen. Ich nehme an, dass meine Eltern sich irgendwie registrieren lassen mussten. Und da passierte das Highlight: Jemand schenkte mir einen Schokoriegel. Er war in Goldpapier eingepackt; ein zweigliedriger Riegel Vollmilchschokolade mit Milchcremefüllung, und ich durfte ihn ganz alleine essen.
Dieser Riegel war für mich total wertvoll. Jemand hat mir etwas Gutes getan, obwohl er mich nicht kannte, und obwohl ich bloß ein unbedeutendes Kind in einer Menge Begrüßungsgeld abholender DDR-Bürger war.
Ich hätte mir gewünscht, dass einer unserer Cookies eine ähnliche Geschichte haben würde, aber es ist anders gekommen. Ich glaube aber, dass viele andere Aktionen von engagierten Menschen an den Grenzen und Auffanglagern Hoffnungsstationen sind. Und ich bete, dass Gott uns zeigt, wie wir den Geflüchteten helfen können, in ihrem neuen Lebensumfeld Fuß zu fassen. Vieles wird sich für sie und für uns ändern - Gott kann das segnen. Ich will bereit für das sein, was kommt.


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