Donnerstag, 3. September 2015

30 Tage: Lachen (1/30)

Mein Sohn bemerkte kürzlich, dass ich zu selten lache. "Auf den Fotos von früher siehst du viel fröhlicher aus!"
Hm. Ich bin doch nicht etwa seriös geworden mit den Jahren? Ich verbringe eindeutig zu wenig Zeit mit meiner Freundin Mareike!
Mein Mann versucht auch des Öfteren, mich zum Lachen zu bringen. Aber so richtig herzhaft lache ich selten. Ein müdes Lächeln zählt nicht.
Apropos "müdes Lächeln". Das mit dem seltenen Lachen liegt bestimmt auch an einem gewissen Grad von Anstrengung. Nachtschlaf im 2-Stunden-Takt ist auf Dauer eben nicht ganz so erholsam, und auch sonst halten Familie und Arbeit mich ganz gut auf Trab. Aber genug der Ausreden.
Fakt ist, dass meine Gesichtsmuskeln zu wenig positiv beansprucht werden. Das muss sich ändern.
Deshalb hab ich mir für den Monat September das Mottowort "Lachen" ausgesucht. Sprich, ich versuche mal, jeden Tag absichtlich dran zu denke, dass ich was zu Lachen habe!
Tag eins ist interessant.
Ich laufe durch die Straßen und versuche, einfach zu lächeln, statt ernst zu gucken. Ich muss zugeben, es fühlt sich ein wenig seltsam an.
Ich bin leider der Gesichtstyp "resting bitch face" - sprich: Mein normaler Gesichtsausdruck suggeriert denen, die mich sehen, ich sei angespannt, eingebildet oder gar sauer. Das ist zwar fast nie der Fall, aber ich wurde schon manches Mal darauf angesprochen.
"Warum gucken Sie denn so böse?", fragte mich zum Beispiel eine Ausbilderin, als ich einfach, auf eine Aufgabe konzentriert, über den Flur lief. Noch schlimmer finde ich es, wenn Leute, die oberflächlich mit mir zu tun haben, aufgrund meines Gesichtes meinen, ich sei extrem reserviert und wolle nichts mit ihnen zu tun haben.
Da mir das bewusst ist, versuche ich sowieso schon darauf zu achten, aber so richtig absichtlich zu lächeln, ohne jemand Bestimmtes zu meinen, ist etwas Neues für mich.
Ich laufe also dezent (so hoffe ich) lächelnd durch die Straßen und denke: Sieht das jetzt übertrieben aus?
Angeblich erkennen sogar Affen, wenn Menschen ein künstliches Lachen zeigen. Meine Gesichtsmuskeln lassen mich fühlen, dass hochgezogene Mundwinkel in Dauerposition für sie ungewohnt sind. Dabei handelt es sich wirklich nur um Millimeter.
Aber, ich merke: Es tut gut. Ich nehme alles irgendwie bewusster fröhlich wahr, obwohl mir eigentlich ein paar Steine auf die Seele drücken. Im Aufzug an der S-Bahnhaltestelle komme ich direkt mit einer Rollstuhlfahrerin ins Gespräch. Netter Smalltalk, schön!
Mit den Damen im Schreibwarenladen lächle ich auch eine Runde - allerdings ganz ohne darüber nachzudenken.
Abends, zuhause, gerät das absichtliche Lächeln in Vergessenheit. Aber "Alfons Zitterbacke" als Gute-Nacht-Geschichte für die Großen ist ein ganz amüsanter Tagesabschluss.
Nicht schlecht für Tag 1 von 30.

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