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Ein Jahr danach

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Am 19. Dezember 2016 war ich mit ein paar meiner Kinder auf dem Weihnachtsmarkt.
Ich postete ein Foto von uns auf Facebook und bekam kurze Zeit später besorgte Anfragen: "Anni, wo seid ihr? Geht es euch gut? Ihr seid hoffentlich nicht am Breitscheidplatz?"
Das war der Moment, in dem ich von dem Attentat erfuhr, bei dem zwölf Menschen ahnungslose Besucher des Weihnachtsmarktes ihr Leben verloren.
Matthias und ich trommelten Helfer zusammen. Wir machten heiße Getränke fertig und stiegen in den Einsatzwagen der Heilsarmee um an den Ort des Anschlags zu fahren. Seelsorge und ein bisschen äußere Wärme wollten wir denen anbieten, die an diesem eiskalten Abend von dem unvermittelten Angriff erschüttert wurden. Während wir auf unseren Babysitter warteten schrieb ich in mein Tagebuch: "Wir haben euch lieb, Kinder. Egal, was passiert."
Würde es noch Folgeattentate geben? Der Täter war flüchtig. Würden er oder eventuelle Mittäter versuchen, noch weitere Menschen zu schädigen?

(Er-)Kennst du mich nicht?

Heute Morgen war ich im Gemeindesaal damit beschäftigt, Stühle zu stellen.
Unser Gottesdienst, der normalerweise sonntags um 10.30 Uhr stattfindet, wird ausnahmsweise auf 15 Uhr verschoben - wir haben unsere Gemeindeweihnachtsfeier.
Während ich im Halbdunkel vor mich hin arbeite öffnet sich plötzlich die Tür, und eine junge Frau kommt herein. Sie sieht sich verwirrt um, zieht die Kopfhörer aus ihren Ohren und fragt auf englisch: "Ist heute kein Gottesdienst?"
Mein Gehirn fängt an zu rattern.
Ich bin mir eigentlich recht sicher, die junge Frau zu kennen. Ich kenne ihren Namen, weiß, dass sie seit ein paar Wochen in unsere Gemeinde geht und mit den anderen Mädchen in ihrem Alter zum Hauskreis geht. Ich weiß, dass sie bei den Singaktionen auf der Straße mitmacht, und dass sie eine von nur zwei Frauen mit dunkler Hautfarbe in unserer Gemeinde ist.
Aber: ich bin mir nur FAST sicher.
Denn an normalen Sonntagen trifft sich am Nachmittag noch eine andere Gemeinde in unserem Saal. We…

Auf dem Holzweg bleiben

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Ich glaube, dass es Gott gibt. Ich glaube, dass er mich durch und durch kennt und Einfluss hat auf das, was ich erlebe. Ich glaube, dass er sich für mich persönlich interessiert und, dass er weiß, wohin mein Lebensweg führt.
Ich glaube, dass er mir Wegweiser gibt, mich schützt und herausfordert. Dass er mir nicht alles Schwere abnimmt, sondern mich auch mit harten Zeiten konfrontiert. Dass ich selber entscheiden kann, ob ich seinen Weg gehe oder mein eigenes Ding mache. Dass er mir die Freiheit lässt, mich von ihm zurück zu ziehen, aber immer für mich erreichbar sein wird, wenn ich seine Nähe suche. Ich glaube, dass Gott keine abstrakte, anonyme Kraft im Universum ist, sondern ein Gott, der sich mir persönlich in der Bibel vorstellt. Den ich mit meinem Verstand noch nicht erfassen, aber mit all meinen Sinnen erleben kann.  "Wenn du da mal nicht auf dem Holzweg bist!", denkt der ein oder andere wahrscheinlich.

Frühblüher, Babys und andere unerwartete Dinge

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Manchmal fange ich an zu schreiben, und plötzlich erzählt sich mir eine Geschichte.
Ich habe mich an die Tastatur gesetzt und wusste, in welche Richtung das Kapitel gehen sollte, das ich tippen wollte. Und auf einmal fängt ein Gedanke an zu wachsen, ich schreibe, und staune am Ende selbst, was sich da entwickelt hat.
Draußen ist Frühling. Streng genommen noch immer Winter, aber es ist März, und die Sonne scheint.
Ich war heute Morgen auf dem Weg ins Büro, als mein Blick auf die grünen Sprosse von Krokus, Narzissen und Tulpe fiel, die in unserem Quasi-Beet neben der Eingangstür wachsen. Ich liebe Frühblüher, und habe mich schon darauf gefreut, dass sich da in den nächsten Tagen sicher ein paar Blüten öffnen.
Heute Mittag ging ich wieder an dieser Stelle vorbei, und was sehe ich? Lila Krokusse, die in der Sonne leuchten. Unglaublich, ich hätte nie gedacht, dass es heute schon soweit ist!
Meine Dahlien- und Lilienzwiebeln dagegen, die ich im letzten Frühjahr in die Erde gegraben habe, h…

Unsterblich

Ich mache mir mal wieder Gedanken um die eigene Sterblichkeit.
Nicht panisch, sondern eigentlich einfach nur realistisch. Ich darf das, ich bin 36 - ein ziemlich beliebtes Sterbealter 2015/2016 bei berühmten Persönlichkeiten, und auch meine Freundin ist mit 36 Jahren gestorben.
Als ich Teenie war, habe ich mich oft gefragt, wie es wohl wäre, zu sterben. Damals dachte ich, dass es nicht schlimm wäre, wenn ich selbst gehe. Viel schlimmer hätte ich es gefunden, einen engen Angehörigen zu verlieren. Ich glaube, dass ich schon mein Leben lang fest davon ausgehe, dass der eigene Tod nicht schlimm ist, sondern der Beginn eines neuen Lebens. Wenn ich mich irren sollte, und der Tod einfach das Ausknipsen des Lebens ist, dann werde ich mich über diesen Glauben auch nicht mehr ärgern müssen :).
Jetzt spielt aber eine andere Komponente in die Überlegungen hinein - nämlich, die Komponente der Verantwortung.
Ich bin mittlerweile eine Frau, die ziemlich fest mit einigen ganz besonderen Menschen verk…

Alle Jahre wieder...

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Okay, keine Sorge. ich habe Weihnachten nicht verpasst, obwohl ich ja zugeben muss, dass ich leider den Adventskalender nur bis zum 11. Türchen durchgezogen habe. Asche auf mein Haupt.
Aber jetzt schreiben wir schon seit Wochen das Jahr 2017, und die Osternaschereien liegen langsam gerechtfertigt in den Süßwarenregalen der Supermärkte.
Alle Jahre wieder.. Genau! Beginnt die Fastenzeit!
Heute, am Aschermittwoch, geht es los.
Sieben Wochen ohne.
Ohne was eigentlich? Ich habe in meinem langen Leben schon verschiedene Fastensachen ausprobiert. Los ging es mit Süßigkeiten, als ich Teenie war. Das fand ich nicht sonderlich schwer und habe es ziemlich oft gemacht. Höhepunkt dieser Art zu "fasten" - eigentlich ja nur, auf eine Kleinigkeit zu verzichten - war dann immer die Osternachtswanderung, die wir als Jugendliche unternommen haben. Punkt Mitternacht wurden dann die Bonbons und Schokoriegel aus dem Rucksack gekramt: Ostern! Jesus ist auferstanden, und die Freude kehrt ins Leben…