Freitag, 29. Januar 2016

Du musst deine Kinder nicht erziehen...

"Du musst deine Kinder nicht erziehen. Sie machen dir eh alles nach."
Da ist was Wahres dran. Jedenfalls an dem Teil mit dem Nachmachen. Den ersten Teil des Satzes würde ich nicht unterschreiben, im Gegenteil.
Seit ich Kinder habe weiß ich, dass Erziehung nicht so ganz von ohne ist. Zwar bin ich nicht der Typ, der Ratgeber liest und Konzepte studiert, aber ich mache mir schon eine Menge Gedanken darüber, ob und wie wir unsere Kinder "richtig" erziehen.


Meistens bin ich ganz zufrieden damit, wie unsere Familie funktioniert. Ich mag es, dass die Kinder offensichtlich großes Vertrauen zu uns Eltern haben. Probleme können wir gut besprechen - erzählen, zuhören, erklären und auch mal entschuldigen, das gehört zum Alltag. Untereinander kriegen die Kinder es auch ganz gut hin.
Als ich vor kurzem das Schlagwort "Beziehung statt Erziehung" las, dachte ich: Stimmt, eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist mega wichtig, wenn man das Kind gut auf seinen selbstständigen Weg durchs Erwachsenenleben vorbereiten möchte. Aber "statt" ist ein Wort, das für mich nicht in diesen Zusammenhang passt. Denn es impliziert, dass Erziehung und Beziehung Gegensätze sind. Das finde ich aber überhaupt nicht. Meiner Meinung nach ist eine stabile Beziehung die Grundlage jeder positiven Erziehung. Und Erziehung ist mehr als "nur" die Arbeit an einer guten Beziehung, wie sie z.B. unter Lebenspartnern oder in Freundschaften gepflegt wird. Kindererziehung beinhaltet zum Beispiel auch, dass die Erwachsenen Regeln aufstellen, die die Kinder erstmal befolgen müssen, ohne sie immer zu verstehen - und das erfordert manchmal, dass man sich zum "Buhmann" macht, einfach, weil es nötig ist.
Über diesen Punkt kann man sich jetzt vermutlich streiten, denn dieses "blinde" Regeln befolgen ist für manche Erwachsene ein rotes Tuch. Ich möchte auch, dass meine Kinder verstehen, warum wir Regeln und auch mal Verbote aufstellen. Oft erarbeiten wir diese auch mit den Kindern gemeinsam. Aber das geht eben nicht immer, und das ist nicht schlimm. Denn diese Regeln sind Schutz, und nicht Schikane - und das lernen kleine Kinder durch Erfahrung.
Oft funktioniert die "Erziehung in Beziehung" super, ohne Stress, einfach natürlich.
Trotzdem gibt es immer mal wieder Phasen zum Haareraufen, wo ich das Gefühl habe, mit meinem Latein erstmal am Ende zu sein. Oder, zumindest in einer Sackgasse.
Vorschulkinder zum Beispiel. Die sind so klug, dass ihnen tausend Argumente einfallen, warum ihre Handlungen absolut berechtigt und keinesfalls falsch sind, auch wenn Mama das behauptet.
Oder Vierjährige. Die haben ein Ventil in den Ohren, das den Durchgang der elterlichen Ansprache erst bei der vierhundertdreiundfünfzigsten Wiederholung freigibt. Grob geschätzt.
Sackgassen-Situationen finde ich unglaublich anstrengend und Nerven aufreibend. Aber sie haben auch ganz nette Nebenwirkungen.
1.) Bringen sie uns Eltern dazu, eine Bestandaufnahme des aktuellen Alltags und der Erziehungs"methoden" in Bezug auf das Alter der Kinder zu machen.
2.) Lösen sie oft große Kreativität aus (es entstehen Listen, Smiley-Tabellen und andere Visualisierungsprojekte ;)), die Kindern und Eltern helfen, die Reaktion des Anderen besser zu verstehen..
3.) Wird viel gebetet.
Und hier finde ich den Knackpunkt unseres imperfekten, aber von mir geschätzten "Erziehungsstils". Gott ist mittendrin. Ich glaube, dass es sehr viel ausmacht, dass wir Eltern eine intensive Vater-Kind-Beziehung zu Gott haben. Dass wir uns von ihm geliebt wissen. Und, dass wir somit auch unseren Kindern vermitteln können, dass sie von Gott (und natürlich auch von uns!) geliebte und von gewollte Menschen sind. Weder sie noch wir machen immer alles richtig. Aber es ist immer möglich, einander zu verzeihen, wo es Stress gab, und bessere Wege zu suchen, wenn Dinge schief laufen.
Lebenslanges Lernen inklusive.

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