Mittwoch, 10. Februar 2016

Burnout im Haushalt

Mein Helfer hat schlapp gemacht.
Er hatte schon Anfang des letzten Jahres ziemlich zu kämpfen; als es draußen langsam Frühling wurde kam der erste Zusammenbruch. Ich dachte damals schon, dass er gar nicht mehr kann, aber nachdem ich mich um ihn gekümmert, ihn ein bisschen verwöhnt und für ihn gebetet habe ging es weiter. Der nächste Zusammenbruch kam mitten im Trubel der Adventszeit. Wie durch ein Wunder hat er sich auch da noch einmal berappelt und fleißig weiter gearbeitet: bis heute. Heute hat er aufgegeben. Vielleicht nach dem Motto: "Am Aschermittwoch ist alles vorbei". Und diesmal sieht es wie ein gründliches Burnout aus.

"Fehler E 50" zeigt die grüne Schrift am Bedienfeld an. Das bedeutet, dass irgendwo ein Relais durchgebrannt ist. Ich fürchte, ich brauche nun doch einen Elektriker, der meinen Wäschetrockner repariert.
Interessant an der Sache ist, dass ich ausgerechnet heute vergessen habe, "Danke" zu sagen.
Nachdem der Wäschetrockner im Frühling kaputt gegangen ist, habe ich ihn den ganzen Sommer über nicht benutzt. Es war nicht so schlimm: bei Wärme und schönem Wetter trocknet die Wäsche ja schnell auf dem Balkon. Eigentlich hat das kaputte Gerät mir ja sogar geholfen, richtig viel Strom zu sparen. Im Laufe der Zeit habe ich über all dem Trubel des Jahres (inklusive einer kaputten Waschmaschine vier Tage vor der Geburt unserer jüngsten Tochter) gar nicht mehr weiter an den Wäschetrockner gedacht. Deshalb wurde er auch nicht repariert.
Aber als es draußen wieder richtig kalt und ungemütlich wurde, fiel er mir wieder ein. Weil der Wäscheberg groß und kein Elektriker in der Nähe war, hab ich einfach mal einen Versuch gewagt. Ich bin in die Wäschekammer gegangen und hab Gott mein Leid geklagt. Dann sämtliche Siebe noch einmal gereinigt, den Trockner befüllt und auf "Start" gedrückt. Der Trockner lief. Ich war begeistert. Seitdem sage ich jedes Mal, wenn ich auf den Startknopf drücke, ein von Herzen ernst gemeintes "Danke!" an Gott, denn dass das Gerät funktioniert, nimmt mir unendlich viel Arbeit ab.
Im Advent war er dann wieder kaputt, und alles Reinigen und Beten nützte nichts. Also hab ich gebetet, dass Gott mir jemanden vorbei schickt, der das Gerät ganz machen kann: Es war Samstagnachmittag, mein Mann war nicht da, das Wetter schrecklich und die Wäsche nass. Tatsächlich: mein Vater, der jeden Monat nur ein Wochenende in Berlin verbringt, kündigte sich an. Er kam, besah meinen Trockner, und siegte. Zwar hat er eigentlich auch nur das Gleiche gemacht wie ich zuvor schon (gereinigt), aber es hat geholfen.
Heute ist mein Mann wieder nicht da, er ist für ein paar Tage auf Dienstreise. Leicht gestresst, weil einige Termine anstehen und ich schon mit dem Mittagessen-Kochen im Verzug war, stopfte ich schnell die Wäsche in den Trockner, drückte auf Start und eilte aus der Tür.
Sekunden später hörte ich es piepen. Zurück in die Kammer geeilt: "Fehler E50".
Es roch leicht angeschmort.
Die Wäsche hängt jetzt wieder auf dem Balkon.
Nein, ich glaube nicht, dass es am vergessenen Dankgebet liegt, dass ausgerechnet diesmal der Trockner wieder aufgegeben hat.
Aber spannend ist das schon. Es bringt mich zum Nachdenken. Und zwar darüber, dass man gute Sachen schnell als gegeben hinnehmen kann. Ich bin dankbar für den Luxus von Geschirrspüler, Waschmaschine und Wäschetrockner in einem Achtpersonenhaushalt. Aber ich möchte nicht vergessen, wirklich "Danke" zu sagen. Damit meine ich jetzt kein verkrampftes Danke-Ritual, dass mir das Funktionieren des Gerätes garantiert (so habe ich das regelmäßige Beten auch nicht gemeint oder empfunden). Ich meine damit, dass ich mich darüber freuen will, so viele Hilfen im Haushalt zu haben - dafür will ich mich immer wieder ehrlichen Herzens bei Gott bedanken.
Und nebenbei glaube ich auch, dass ein regelmäßiges "Danke" bei Menschen noch viel effizienter ein Burnout verhindert, als bei einem Trockner. Auch das hat mein Trockner-Erlebnis mir noch mal bewusst gemacht. Mal sehen, bei wem ich mich heute noch bedanken darf :).
Und ich bin gespannt, ob mein elektronischer Helfer noch einmal auf die Beine kommt, oder ob ich im Verzicht auf seine Hilfe vielleicht DIE Idee für die diesjährige Fastenzeit gefunden habe.
Würde ja passen!

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